Herr Bastardot, welche Unterstützungsleistungen bietet das CHUV an?
Das CHUV bietet in Zusammenarbeit mit dem Réseau Santé Région Lausanne (RSRL) eine Anlaufstelle, bei der die Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige Unterstützung bei der Eröffnung ihres EPD erhalten. Diese Anlaufstelle ist täglich geöffnet. Die Nutzerinnen und Nutzer können bei der Eröffnung auch Zugang zu den Dokumenten beantragen, die bereits in den verschiedenen Spitälern und Kliniken der Region vorhanden sind. Diese Unterstützung ist kostenlos und wird nach Terminvereinbarung angeboten (Externer Link: www.chuv.ch/dep).
Die Mitarbeitenden des CHUV können daneben auch einen Stand in der Nähe der Cafeterias nutzen, an dem Spezialisten des CHUV und des RSRL ihre Fragen beantworten und die Einrichtung des EPD erleichtern.
Schliesslich planen wir in den kommenden Monaten eine Aktion, um Patientinnen und Patienten während ihres Krankenhausaufenthalts bei der Eröffnung eines EPD zu unterstützen. Das Team des RSRL wird hierfür in einer Pilotphase insbesondere die Rehabilitationsabteilungen besuchen.
Nicht alle Spitäler bieten eine ähnliche Unterstützung wie das CHUV (Eröffnungsstellen, aktive Informationen zum EPD usw.). Was hat Sie zu diesem Schritt motiviert?
Das CHUV ist überzeugt, dass die Patientinnen und Patienten ein besseres Behandlungserlebnis haben und sich aktiver beteiligen, wenn sie die einzelnen Schritte verstehen. Für einen engagierten Patienten, der an medizinischen Entscheidungen mitwirken möchte, ist der Zugang zu seinen persönlichen Daten ein erster, unverzichtbarer Schritt.
Wie haben Sie Ihre Mitarbeitenden im CHUV auf die steigende Zahl von Patientinnen und Patienten mit einem EPD vorbereitet?
Das CHUV bietet im Rahmen des E-Learning-Programms zur Einarbeitung eine Sensibilisierung für das EPD an. Danach werden die Mitarbeitenden im Rahmen von regelmässigen Informationskampagnen sowie über entsprechende Rubriken im Intranet (FAQ) für das Thema sensibilisiert. Ausserdem haben wir ein Netzwerk von 80 EPD-Assistenten innerhalb des CHUV aufgebaut. Diese EPD-Assistenten wurden im Umgang mit dem Tool geschult und kümmern sich um die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten sowie des medizinischen Fachpersonals im Zusammenhang mit dem EPD (z. B. Dokumentensuche). Die nächste Herausforderung besteht darin, allen 2000 Ärztinnen und Ärzten am CHUV einen direkten Zugang zum EPD zu ermöglichen. Dies erfordert die Einrichtung einer digitalen Identität, was derzeit geprüft wird.
Wie reagieren Ihre Patientinnen und Patienten auf das Unterstützungsangebot beim EPD?
Die Patientinnen und Patienten kommen gerne zum Schalter im Erdgeschoss des Hauptgebäudes des CHUV: Jeden Monat werden dort etwa 40 EPD eröffnet. Sie schätzen es auch, bei Fragen die notwendige Unterstützung zu erhalten. Dieser direkte Kontakt zu den Patientinnen und Patienten ermöglicht eine kontinuierliche Verbesserung unserer Dienstleistungen.
Das CHUV hat kürzlich die Ergebnisse einer Studie über die «Nutzung und Wahrnehmung des EPD im Kanton Waadt» vorgestellt. Was können Sie uns über diese Studie und deren wichtigste Ergebnisse sagen?
Die Studie, die ich gemeinsam mit Prof. Veronika Schoeb von der Haute École de Santé – Vaud (HESAV) durchgeführt habe, ermöglichte es, ein Profil der ersten rund 800 Patientinnen und Patienten des CHUV mit einem zu erstellen. Dabei hat sich gezeigt, dass es sich überwiegend um Männer (70 %) im reifen Alter (durchschnittlich 60 Jahre) mit guter Ausbildung handelt. Die Studie zeigt auf, dass das EPD in seiner heutigen Form nur eingeschränkt nutzbar ist, da es von vielen Akteuren des Gesundheitsnetzwerks ausserhalb des Spitals noch nicht ausreichend akzeptiert ist. Letztere sind noch nicht von seiner Verwendung überzeugt, was die Patienten eher entmutigt. Andererseits empfehlen 70 % dieser First User das EPD ihren Angehörigen weiter, da sie vom langfristigen Nutzen überzeugt sind – auch wenn sie selbst dem EPD aktuell eher kritisch gegenüberstehen.
Werden diese Ergebnisse die Strategie des CHUV in Bezug auf das EPD beeinflussen? Was erwarten Sie in dieser Hinsicht für die Zukunft?
Das CHUV muss – wie andere Spitäler auch – vorausschauend darauf reagieren, dass Patientinnen und Patienten immer mehr Informationen wünschen und digitale Angebote nutzen möchten, die ihren Erwartungen entsprechen.Die Entwicklung des EPD innerhalb des CHUV ermöglicht es, diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, ebenso wie die Weiterentwicklung unseres klinischen Informationssystems, etwa durch die strukturierte Erfassung medizinischer Diagnosen. Dadurch können wir beispielsweise die Kontinuität der medizinischen Informationen verbessern, aber auch den Bedarf an medizinischen Schulungen zu bestimmten Erkrankungen antizipieren. Das CHUV und seine Partner, darunter die HESAV, werden ihre wissenschaftlichen Forschungsbemühungen in diesem innovativen Bereich fortsetzen.