Nachgefragt

Das EPD vereinfacht die Kommunikation zwischen Gesundheitsfachpersonen

Die Einführung des elektronischen Patientendossiers wird die Arbeit der Spitex-Organisationen verändern. Im Interview erklärt Esther Bättig, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Spitex Schweiz, was sie sich davon erhofft.

Frau Bättig, Sie arbeiten seit über 30 Jahren in der Pflege. Nun stehen wir vor der schweizweiten Einführung des elektronischen Patientendossiers. Was geht Ihnen dabei durch den Kopf?

Esther Bättig: Ich denke mir: Endlich, davon träumen wir doch schon lange.

 

Wie meinen Sie das genau?

Schon vor dreissig Jahren habe ich mir gewünscht, schneller auf die für eine Klientin oder einen Klienten wichtigen Informationen zugreifen zu können. Damals mussten wir Pflegedokumentationen noch mühsam auf Papier erstellen und dabei alle Stammdaten immer wieder neu eintragen.

 

Sie fürchten sich also nicht vor einem administrativen Mehraufwand?

Nein, ganz und gar nicht, im Gegenteil. Dank der digitalen Pflegedokumentation und der Arbeit direkt auf dem Laptop, erledigen wir administrative Arbeiten bereits heute viel effizienter und unmittelbarer als früher. Das elektronische Patientendossier erlaubt nun erstmals auch einen schnellen und unkomplizierten interdisziplinären und interprofessionellen Austausch zwischen Fachpersonen aus verschiedenen Gesundheitsorganisationen.

 

Sehen das Ihre Kolleginnen und Kollegen genauso?

Die Digitalisierung ist in der Spitex bereits heute nicht mehr wegzudenken. Wir dokumentieren sehr vieles digital: die Pflegedokumentation, die Einsatzplanung, die Abrechnungen und die Personaladministration. Damit ist unsere Kommunikation nahtlos und die Prozesse sind optimiert. Smartphones und Tablets sind bei den Spitex-Organisationen besonders verbreitet. Sie unterstützen uns dabei, pflege- und betreuungsrelevante Informationen aktuell vor Ort abzurufen und zeitnah zu dokumentieren. Der grösste Teil unserer Mitarbeitenden arbeitet also bereits heute digital. Mit dem elektronischen Patientendossier betreten wir Neuland – da gibt es natürlich auch skeptische Stimmen. Aber grundsätzlich sind das Interesse und die Akzeptanz sehr gross. 

 

«Das elektronische Patientendossier erlaubt erstmals einen schnellen und unkomplizierten interdisziplinären und interprofessionellen Austausch zwischen Fachpersonen aus verschiedenen Gesundheitsorganisationen.»

 

Welche Erwartungen haben Sie an das elektronische Patientendossier?

In erster Linie einen schnellen Zugang zu den für uns relevanten Informationen, denn das ist zum Beispiel für die nahtlose Pflege einer Patientin nach einem Spitalaustritt sehr wichtig. Das elektronische Patientendossier vereinfacht die Kommunikation zwischen den Spitex-Organisationen, Spitälern, Heimen und Therapeuten. Die Umsetzung des elektronischen Patientendossiers ist ein wichtiger Meilenstein in der gesamten Digitalisierung des Gesundheitswesens.

 

Ist diese Kommunikation denn heute noch nicht gewährleistet?

Einige Spitex-Organisationen pflegen schon heute eine gute Zusammenarbeit mit «ihren» Spitälern. Oder der Patient trägt die für uns wichtigen Unterlagen gleich selbst mit nach Hause. Allzu oft erreicht der Austrittsbericht jedoch nur die Hausärztin oder den Hausarzt. Mit dieser zeitlichen Verzögerung ist die nahtlose Pflege nicht sichergestellt – zum Beispiel bei der Medikamentenabgabe. Um Auskunft über die Situation des Patienten im Spital zu erhalten, müssen wir eigenhändig dort anrufen. Mit etwas Glück finden wir dann eine Person, die Auskunft geben kann.

 

Gibt es nicht auch den umgekehrten Fall? Müssen Sie Spitäler über Ihre Klienten informieren?

Ja, das kommt vor. Wir sind oft die einzige Fachstelle mit Einsicht in die Medikamentenliste einer Person. Im Notfall geben wir diese Information dem Haus- oder Facharzt weiter. Mit dem elektronischen Patientendossier wird sich diese Anfrage erübrigen.

 

Wie steht es mit der Kommunikation gegenüber Pflegeheimen?

Da haben wir die gleiche Ausgangslage: Bei einem Eintritt einer Patientin oder eines Patienten fehlt dem Heim die Information der Spitex – und umgekehrt fehlen uns bei einem Austritt die Angaben des Heims. All dies wird mit dem elektronischen Patientendossier sehr viel einfacher.  

 

Wenn eine Spitex-Organisationen am elektronischen Patientendossier mitmachen will, welche Tipps würden Sie ihnen gerne mit auf den Weg geben?

Ich würde ihnen raten, die Einführung nicht der IT-Abteilung zu überlassen. Das elektronische Patientendossier geht uns alle an. Es wird unseren Arbeitsalltag prägen. Deshalb ist es wichtig, Gesundheitsfachpersonen von Anfang an in die Einführung mit einzubeziehen. Sie sollen ihre Bedürfnisse einbringen können.


Externer Link: Mehr Informationen zur Einführung des elektronischen Patientendossiers bei Spitex-Organisationen

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