Symbolische Grafik für den Datenaustausch im Gesundheitswesen

Das EPD im Praxisalltag: Grundlage für den vernetzten Datenaustausch

Aus der Praxis

Der Praxisalltag verlangt schnelle Entscheidungen auf einer verlässlichen Informationsbasis. Genau hier setzt das elektronische Patientendossier (EPD) an. Es ermöglicht die sichere, strukturierte und zeitnahe Bereitstellung wichtiger Gesundheitsinformationen – auch im Notfall.

Mit der geplanten Weiterentwicklung zum elektronischen Gesundheitsdossier (E-GD) sollen diese Funktionen künftig erweitert werden. Ziel ist es, Gesundheitsinformationen institutionsübergreifend einfacher und sicherer nutzbar zu machen – etwa zwischen Hausarztpraxen, Spitälern oder weiteren Gesundheitsfachpersonen.

Das E-GD wird dabei Teil des zukünftigen Swiss Health Data Space (SwissHDS). Diese nationale Infrastruktur soll den sicheren und strukturierten Austausch von Gesundheitsdaten ermöglichen und gleichzeitig sicherstellen, dass die Nutzung der Daten im öffentlichen Interesse erfolgt. Behandlungsrelevante Informationen können dadurch langfristig verfügbar gemacht und über Institutionsgrenzen hinweg sicher genutzt werden.

Die richtigen Informationen im richtigen Moment

Medikationsplan, Diagnosen, Allergien, Austrittsberichte, Impfausweis sowie wichtige Untersuchungsbefunde wie EKGs oder Lungenfunktionstests: All diese behandlungsrelevanten Informationen stehen im EPD jederzeit sicher zur Verfügung. Mit den im EPD bestehenden Austauschformaten, können Informationen zudem nicht nur als PDF, sondern auch strukturiert bereitgestellt werden. Das bedeutet: Die Informationen sind für IT-Systeme direkt lesbar, schnell auffindbar und können ohne Medienbruch im IT-System weiterverarbeitet werden.

Ein Praxisbeispiel aus dem Alltag

Wie das konkret funktioniert, zeigt der Praxisalltag der Hausarztpraxis Dr. Köhler. Dort ist das EPD tief in das IT-System und fest in die tägliche Arbeit integriert: vom Abrufen der Dokumente bis zur automatischen Publikation im EPD. Somit haben alle Mitbehandelnden wie Spezialistinnen und Spezialisten, Spitäler, Spitex oder Langzeitpflege-Einrichtungen, die ebenfalls ans EPD angeschlossen und berechtigt sind, jederzeit Zugriff auf dieselben Informationen ihrer gemeinsamen Patientinnen und Patienten.

 Der Ablauf folgt einem klaren Drei-Schritte-Prozess:

  1. Sichten
    Vorhandene Dokumente und Daten werden im EPD abgerufen.
  2. Aktualisieren
    Die Kerninhalte werden direkt in der Praxissoftware geprüft und bei Bedarf angepasst.
  3. Veröffentlichen
    Die aktualisierten Informationen werden via Schnittstelle im EPD publiziert und stehen berechtigten Mitbehandelnden sofort zur Verfügung.
Grafische Symbole für Sichten, Aktualisieren, Veröffentlichen

Effizienzgewinn für alle Beteiligten

Der Nutzen des EPD ist dank Integration im IT-System der Praxis für Dr. Bruno Köhler im Alltag spürbar: Der lückenlose Zugriff auf Vorbefunde vermeidet redundante Abklärungen, beschleunigt Behandlungsprozesse und verbessert die Koordination zwischen allen Beteiligten. Gleichzeitig bleibt der Aufwand gering, da die Pflege der Daten in der Praxissoftware erfolgt, und die Publikation ins EPD automatisiert abläuft. Ein klar definierter Workflow sorgt dafür, dass das EPD aktuell bleibt:

Medizinische Praxisassistentinnen und -assistenten bereiten die Inhalte vor, Ärztinnen und Ärzte prüfen diese und geben sie frei. Nach der ärztlichen Freigabe werden die Daten zeitnah publiziert und für Mitbehandelnde nachvollziehbar.

 Ein nachhaltiger systemweiter Effizienzgewinn im Gesundheitswesen wird im Zusammenspiel mit dem künftigen SwissHDS erreicht: wenn sämtliche Leistungserbringer vernetzt sind und strukturierte Daten auf Basis definierter Standards systemübergreifend genutzt werden können. Erst diese Kombination ermöglicht eine durchgängige, automatisierte Nutzung von Gesundheitsdaten entlang der gesamten Behandlungskette.

  • «Dank der Schnittstelle zu meiner Praxissoftware halte ich die Kerninhalte im persönlichen Patientendossier meiner Patientinnen und Patienten aktuell. Das sichert einen schnellen und verlässlichen Überblick – besonders bei Weitergaben und im Notfall.»

    Portraitfoto von Dr. med. Bruno Köhler

    Dr. med. Bruno Köhler

    Facharzt für Allgemeine Innere Medizin

Patientinnen und Patienten behalten die Kontrolle

Ein zentrales Prinzip des EPD ist die aktive Rolle der Patientinnen und Patienten. Sie entscheiden, welche Gesundheitsfachpersonen Zugriff auf ihre Daten haben. Diese Transparenz schafft Vertrauen und bildet die Grundlage für eine breite Akzeptanz und Nutzung des EPD.

Tiefe Integration des EPD als Schlüssel für den nahtlosen
Datenaustausch

Damit Gesundheitsfachpersonen wie Dr. Bruno Köhler direkt über ihre Praxis- oder Kliniksoftware auf das EPD zugreifen können, ist eine tiefe Integration in die bestehenden IT-Systeme entscheidend. Über eine standardisierte Schnittstelle lassen sich wichtige Dokumente der Patientinnen und Patienten im EPD speichern und gleichzeitig aktuelle Informationen abrufen – ohne den Arbeitsfluss zu unterbrechen oder das Primärsystem zu verlassen.

Die Grundlage dafür bilden nationale und internationale Standards wie HL7® FHIR®. Strukturierte Datensätze ermöglichen es, Informationen nicht nur zu lesen, sondern auch systemübergreifend weiterzuverarbeiten und automatisch zu aktualisieren. Dadurch werden zentrale Inhalte wie Medikationen oder Diagnosen konsistent dargestellt und können in Praxis- und Klinikinformationssystemen direkt genutzt werden.

Externer Link: Mehr lesen zur EPD-Anbindung

Externer Link: Mehr lesen zu EPD-Standards

Digitalisierung mit praktischem Nutzen

Seit August 2024 ist auch die Hausarztpraxis von Dr. Bruno Köhler Teil des Projekts «Integrierte Versorgung dank Digitalisierung im Knonauer Amt». Das wegweisende Vorhaben zeigt, wie die Digitalisierung und das EPD den Praxisalltag spürbar verbessern können. Die standardbasierte Integration schafft zugleich die Voraussetzung für kommende digitale Anwendungen. Im Projekt wird die Praxistauglichkeit des EPD kontinuierlich weiterentwickelt. Als nächste Schritte plant Dr. Bruno Köhler die Integration des elektronischen Impfausweises ins EPD. Durch einen vollständig einsehbaren Impfstatus steigt der Nutzen im Praxisalltag weiter.



Aktuelles zum EPD