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Nachgefragt

«Mit dem EPD haben wir mehr Zeit für die werdenden Mütter»

Susanne Leu Kübler ist Hebamme und Geschäftsführerin des Geburtshauses in Stans. Wie andere stationäre Institutionen wird sich auch ihr Geburtshaus ab April 2022 dem elektronischen Patientendossier anschliessen. Vom neuen Instrument erwartet sie eine administrative Entlastung. Vor allem aber sieht sie darin einen Gewinn für die werdenden Mütter.

Frau Leu Kübler, was erhoffen Sie sich als Hebamme und Geschäftsführerin eines Geburtshauses vom elektronischen Patientendossier?

Das elektronische Patientendossier ist eine sehr gute Sache. Als Hebamme ist es mir ein grosses Anliegen, dass die werdenden Mütter möglichst gut über ihren Körper und ihre Gesundheit Bescheid wissen. Ich möchte ihre Eigenermächtigung fördern. Das EPD wird hier sehr hilfreich sein.  

«Aus meiner Erfahrung setzen sich Frauen eher mit ihrer Gesundheit auseinander, wenn sie einen einfacheren Zugang zu ihren Labor- und Ultraschallbefunden haben.»

 

Wie meinen Sie das konkret?

Aus meiner Erfahrung setzen sich Frauen eher mit ihrer Gesundheit auseinander, wenn sie einen einfacheren Zugang zu ihren Labor- und Ultraschallbefunden haben. Plötzlich interessieren sie sich für ihren Eisen- oder Hämoglobin-Wert. Wenn die Frauen die Hoheit über ihre Daten haben, sind sie selbstkompetenter und in ihrer Eigenverantwortung gestärkt.  

 

Als Hebamme begleiten Sie Frauen über eine längere Zeit: während der Schwangerschaft, bei der Geburt und anschliessend im Wochenbett. Wie haben Sie bisher die entsprechenden Informationen dokumentiert?

Wir haben die Informationen aus organisatorischen Gründen heute schon elektronisch erfasst. Die Frauen bescheinigen jeweils mit einer Einverständniserklärung, dass wir diese Daten weitergeben dürfen. Unserem Dokumentationssystem fehlen jedoch die entscheidenden Schnittstellen. Wenn wir beispielsweise einen Bericht von einem Gynäkologen benötigen, rufen wir diesen an. Wir bitten ihn, uns den Bericht zu mailen und müssen ihn dann selbst in unserem Dossier abspeichern.  

 

Wie haben Sie Informationen weitergegeben, wenn Frauen während einer Geburt verlegt werden müssen?

Wir müssen Frauen selten notfallmässig verlegen – beispielsweise dann, wenn eine Geburt nicht vorwärtsgeht. Zum Informationsaustausch zwischen Geburtshaus und Spital gibt es klare Vorgaben, etwa welche Daten verschlüsselt übermittelt werden müssen. Bei einer schnellen Verlegung nehmen wir manchmal die Unterlagen auch nur in Papierform mit. Eine Frau wird nie allein verlegt, sondern immer in Begleitung einer Hebamme. Das erleichtert den Ortswechsel für die Frau. Die persönliche Begleitung wird sich auch mit dem elektronischen Patientendossier nicht ändern.

 

Welche Informationen werden Sie im elektronischen Patientendossier erfassen?

Dieselben, die wir heute schon festhalten: Eine Dokumentation der Anamnese, schwangerschaftsspezifische Berichte, die Schwangerschaftskontrollen und Laborbefunde. Wir dokumentieren zudem die Geburt und Informationen aus dem Wochenbett. Neu werden die Schnittstellen aber besser funktionieren.

 

«Wenn alle mit dem elektronischen Patientendossier arbeiten und die Schnittstellen funktionieren, entlastet uns das und wir sparen viel Zeit.»

 

Wie wird das elektronische Patientendossier Ihre Arbeit erleichtern?

Das Zusammentragen aller Berichte und Formulare bei den verschiedenen Leistungserbringern ist mit grossem Aufwand verbunden. Diese Zeit würden wir lieber für die Begleitung unserer Frauen einsetzen. Wenn alle mit dem elektronischen Patientendossier arbeiten und die Schnittstellen funktionieren, entlastet uns das, und wir sparen viel Zeit. Ich wünsche mir, dass die Handhabung des elektronischen Patientendossiers so einfach wird, wie E-Banking. Zu Beginn brauchen wir vielleicht noch etwas Geduld. Alle neuen technischen Lösungen müssen sich etablieren.

 

Welche Reaktionen erwarten Sie von den Frauen?

Ich bin sicher, sie werden die Vorteile des elektronischen Patientendossiers für sich sofort erkennen. Wir haben in der Regel eine sehr enge Beziehung zu den Frauen. Wir können vertrauensvoll vermitteln, dass uns das elektronische Patientendossier zudem hilft, unsere Arbeit noch besser zu machen. Mit dem elektronischen Patientendossier haben wir mehr Zeit für die werdenden Mütter. Es ist also im Interesse aller Beteiligten, dass die Abläufe möglichst einfach und sicher sind.

 

«Zu Beginn brauchen wir vielleicht noch etwas Geduld. Alle neuen technischen Lösungen müssen sich etablieren.»

Zuletzt geändert am 19.04.2022

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